Etwas Politik, ein wenig Soziologie, eine würze IT und ein Tropfen Smalltalk

„Mehr Aktive“ Das Allheilmittel!? Teil 1

Die Piraten haben viele Baustellen. Das ist auch bei einer noch so Relativ Jungen Partei kein Wunder. Es kann nicht alles von Anfang an besetzt und ausgearbeitet sein. Aber das Klagen über Langsames voranschreiten einzelner AGs und Projekte ertönt regelmäßig und jedes mal wird der ruf nach mehr Aktiven laut. Dabei meine ich nicht die Abonnenten und fleißigen Diskutanten auf der Aktiven-Mailingliste, sondern das Fleißig arbeitende Piratenvolk, in allen anderen Projekten. Nun, wie kommt es aber zu diesem Mangel, bei 12000 Registrierten Mitgliedern?

 

Man könnte anfangen damit zu Argumentieren, das nicht alle der 12000 wirklich das Interesse haben tatsächliche Partei-Arbeit zu leisten. Viele haben von uns aus den Medien gehört, dann vielleicht unsere Seiten besucht und fanden den Gedanken Sympathisch sich uns Anzuschließen. Einen wirklichen Schritt, weiter als bis zur Zahlung des ersten Mitgliedsbeitrags oder sogar allgemein der Ersten, kommen diese nicht. Gerade dort fallen viele Weg.

 

Das ist allerdings nicht der Weg den alle von uns beschreiten. Sonst gäbe es ja die Piraten nicht. Einige sind doch Motiviert irgendwie mitzumachen. Dabei führt der erste Weg zu uns über das Internet und damit fangen die Probleme auch gleich an. Nehmen wir mal die unzähligen Mailinglisten. Auch wenn die meisten Piraten sehr Internetaffine Menschen sind, ist das nicht die Regel. Wenn nun ein Nicht-Internetaffiner Mensch sich an einer der Mailinglisten versucht, wird seine erste Reaktion aus Schock, Verwirrung oder beidem bestehen. Denn nicht jeder kommt damit klar, das sein Posteingang auf einmal regelmäßig mit Massen an neuen Mails Geflutet wird. Natürlich kann man einfach Ordner anlegen und Filter einstellen. Aber dies kann nicht jeder und will irgendwie auch nicht jeder machen. Des Weiteren gibt es eine gewisse Hemmschwelle an einer Mailingliste Teilzunehmen. „Soll ich eine Mail schreiben oder doch eher nicht? Wie wird man auf mich reagieren? Ist es wirklich nötig? Habe ich das recht mich dort einzumischen? Möchte ich überhaupt so viel Aufmerksamkeit auf mich ziehen?“ Nicht jeder wird diese Gedanken kennen, aber einige werden sich sicherlich wiederfinden. Diese Schwelle muss überwunden werden, ansonsten wird man nur Passiver Mitleser und fällt wieder, als Aktiver Kandidat raus.

 

Dennoch trauen sich einige ihre Meinung in einer Mail zu verfassen. Kaum ist diese Allerdings draußen, trifft sie schon auf das nächste Problem. Nämlich uns! Denn unser Diskussionsstil ist je nach Thema alles andere als Sachlich Neutral oder Motivation-Fördernd. Wir Debattieren in einem äußerst Aggressivem und schnell Bewertendem Stil. Nicht selten Argumentieren wir unsachlich, oder fangen an über jemanden herzufallen, wenn uns seine Meinung nicht passt und werden dabei unabsichtlich Persönlich. In welchem Maße das Stattfindet, kommt immer auf die Mailingliste an. Aber in der Regel ist es so, das gerade Neulinge oft genug das Gefühl erfahren, das ihre Meinung eigentlich nicht gewünscht ist. Dass das viele von uns eigentlich gar nicht so ausdrücken wollen ist wieder eine andere Sache. Aber es ist ein Hindernis um ein Aktiver zu werden. Jedoch sind nicht mal jene sicher, die Gelernt haben mit diesen Widerständen umzugehen. Denn regelmäßiges Abwerten der eigenen Meinung führt zu einer Stetigen Demotivation. Wenn dann dem nichts motivierend entgegenarbeitet, hält das Leben eines Aktiven nicht lang.

 

Eine andere Art uns näher Kennenzulernen oder Regelmäßige Motivation zu finden, ist einen unserer Zahlreichen Stammtische zu Besuchen. Gerade für die nicht Internetaffinen Menschen eine wundervolle Alternative. Denn was gibt es schöneres als Piraten Live kennenzulernen. Man Diskutiert, man Plaudert, man Erfährt wer sich hinter dem Pseudonym XYZ verbirgt. Es darf aber nicht vernachlässigt werden das eine gute Einbindung Stattfindet. Die Regeln sind dabei relativ ähnlich wie die, die auf Mailinglisten herrschen sollte. Niemand möchte das man über ihn her-fällt, was bei Stammtischen glücklicherweise seltener der Fall ist. Umso mehr ist es jedoch, ob bewusst oder unbewusst, gewünscht das man für seine Meinung und sein Interesse gelobt wird. Wer dann noch Aufgefordert wird mitzumachen und sich an der Arbeit von anderen Piraten zu Beteiligen, wird schnell ins Sozialgefüge eingebunden. Dies muss allerdings Offensiv geschehen. Soziale Bindungen sind, wenn man paar Grundregeln beachtet recht einfach aufzubauen und sehr Stabil, wenn sie denn Gepflegt werden. Wer das Gefühl bekommt wichtig zu sein, ist nicht nur Motivierter mitzuarbeiten, sondern Wertschätzt auch die Meinung anderer Piraten mehr, ist eher zu Kompromissen bereit und läuft weniger Gefahr unterzutauchen. Auch die Wortwahl wird automatisch vorsichtiger und Fehlgriffe anderer werden anders akzeptiert. Denn niemand möchte einer Gruppe, in die er erfolgreich Integriert wurde, schaden.

 

Nichts desto Trotz, überall werden wir früher oder später auf Konflikte treffen. Egal wie sehr wir uns bemühen, sie werden vorhanden bleiben. Denn um das gänzlich zu vermeiden bräuchten wir schon ein Kollektivbewusstsein. Wie geht man aber damit um? Seinen Frust an einem anderen auszulassen ist allgemein Kontraproduktiv. Denn diese Energie werden wie in der Physik nicht einfach verschwinden, sondern nur an den nächsten weitergegeben, der wiederum sich auch irgendwann Entladen muss. Was aber dann tun? Dem ein oder anderen wird „Supervisionen“ ein Begriff sein. Das sind Treffen in kleinen Gruppen die von einer Neutralen, Erfahrenen Person geführt wird, die Idealerweise aus dem selben Gebiet ist, nicht aber der selben Abteilung. Somit kann dieser Mensch die Probleme und den Frust der anderen Teilnehmer Aufnehmen und Alternativen und Lösungen anbieten. Aber allein die Möglichkeit bei dieser Person seinen Gedanken freien lauf lassen und sich zu Entlasten, ohne das dies jeglicher Bewertung unterliegt, wirkt sehr Erleichternd. Das ist allerdings eine Struktur die es bei den Piraten so noch nicht gibt und wo zurecht gefragt werden darf ob diese wirklich nötig wäre. Wenn aber, das nächste mal sich jemand über die Arbeit anderer aufregt, sollte man wenigstens in Erwägung ziehen seinen Frust einem anderen Piraten seines Vertrauens, der nicht Involviert ist, zu schreiben. Eine Positive Erfahrung und ein Freier Kopf ist garantiert.

 

Ein anderes Problem ergibt sich aber durch tatsächliche Mitarbeit. Oft genug tendieren Piraten dazu das Gefühlte Defizit an Mitarbeit, Ausgleichen zu müssen. Dann geschieht es schnell das statt 2 Mailinglisten 10 Abonniert werden. Das man nicht in 1-2 AGs mitmacht, sondern in 10 und am besten auch noch einen Vorstandsposten innehält. Spätestens dann ist man ein Piraten-Workaholic geworden, der vielleicht an vielen Stellen auf dem laufenden ist, aber sicherlich eines nicht macht. Effektiv Arbeiten. Es haben schon mehr als genug Studien bewiesen das Multitasking das Arbeiten eher verlangsamt, als wirklich voran Treibt. Dabei ist es im Übrigens Belanglos ob es Frauen oder Männer sind. Dadurch das wir unsere Aufmerksamkeit Teilen, erledigen wir viele Teilaufgaben, aber schaffen keine Konzentriert aufwendigen Arbeiten, mit dementsprechenden Ergebnissen. Das spiegelt sich dann auch in der AG Arbeit wieder. Ein paar wenige denen die AG sehr wichtig ist, versuchen jene voran zu treiben. Aber ein Dutzend schaut nur zu und kann aufgrund des Zeitmangels, oder in einigen Fällen sicherlich aufgrund einer Arbeitsscheu, nur diese Arbeit Kommentieren und sich Beschweren, selber wird aber kein Finger gerührt. Missstimmung und Frustration ist dann das Ergebnis. Einzigster Ausweg dabei, ist sich wirklich zu Überlegen ob es nötig ist in so vielen Piraten-Projekten anwesend zu sein und nicht einfach die anderen machen zu lassen. Der ein oder andere mag nun schreien dass somit die AGs ja noch mehr aussterben. Aber das tun sie ja nicht wirklich. Denn wenn 5 Halbaktive Mitglieder gehen und dafür 1 Aktiver dazukommt, gewinnt eine AG nur an Arbeitseffektivität.

 

Man könnte nun noch viele weitere Punkte aufführen, die dazu führen das Piraten nie Aktiv werden, oder gar nach erfolgreicher Aktivierung, Inaktiv werden. Dies würde jedoch den Rahmen dieses Textes Sprengen, der eh länger geworden ist als anfangs gewollt. Die nächsten Tage widme ich mich dann der Frage, ob wir tatsächlich so wenig gefühlte Aktive haben und was Passieren würde, wenn wir tatsächliche 12000 Aktive hätten. Also, abwarten und diesen Blog beobachten!

 

Vondor

 

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