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Studentenverbindungen Rechts?

Eigentlich sollte ich gerade für ein Testat lernen und eigentlich sollte ich auch ein Referat vorbereiten. In Anbetracht der Nachrichten der letzten Tage muss ich jedoch zugeben, dass mir das sehr schwer fällt. Auslöser ist der WKR-Ball in Wien. Ich möchte in diesem Text dabei garnicht auf den Ball eingehen, wer dort anwesend war oder nicht, wann und warum er an jenem oder einem anderen Tag stattgefunden hat, oder wer was gesagt hat. Das möchte ich nicht, weil ich selbst nicht persönlich auf dem Ball anwesend war. Somit kann ich nicht aus eigener Sicht berichten und bewerten. Was ich jedoch sehr gut wahrnehmen kann, ist die allgemeine Stimmung im Netz, die dieser Ball ausgelöst hat und wie Verbindungen von außen wahrgenommen werden. Dies betrifft mich in dem Sinne, dass ich mich vor einigen Monaten mit dem Beginn meines Studiums, entschlossen habe, einer Studentenverbindung beizutreten. Genauer genommen einer Burschenschaft, die in der DB (Deutsche Burschenschaft) ist.

Viele der Vorwürfe erscheinen mir dabei nicht gerechtfertigt. Die Problematik beginnt dabei schon sehr früh. Viele wissen garnicht, wie viele verschiedene Formen von Verbindungen existieren. Es gibt nicht nur Burschenschaften, sondern es gibt auch Corps, katholische Verbindungen, allgemein christliche Verbindungen, Turnerschaften, Landsmannschaften, Sängerschaften, freie Verbindungen und und und… Jede davon ist etwas anders aufgebaut, hat andere Ziele und in jeder lebt man “anders” gemeinsam. Die einen z.B. mit Frauen, die anderen ohne, und wieder andere ohne Männer (Die erste Frauenverbindung gab es schon 1899). Mein Grund nach einer Verbindung zu suchen war dabei, dass ich das WG-Leben bereits kannte und neue Erfahrungen sammeln wollte. Ich wollte schauen, ob es Gemeinschaften gibt, die anders leben und vielleicht auch mehr zusammenhalten. Natürlich, gute Freundschaften findet man auch in einer WG und es gibt durchaus Menschen, die ich so kennengelernt habe, die ich nicht missen möchte, aber es gibt häufig auch WGs, wo nicht alles gut läuft… So habe ich in den ersten Tagen, als ich wusste, dass mein Studium bald anfangen wird, einige Verbindungen erst einmal begutachtet und war sehr erstaunt. Die gängigen Vorurteile waren mir bekannt. Erst recht, da ich zuvor massenhaft Forenbeiträge gelesen hatte. Aber bei den Besuchen hab ich ganz andere Menschen vorgefunden als ich erwartet hätte. So machten die Katholiken damals Witze über den Papstbesuch und diesen selber. In einer freien Verbindung traf ich auf ein gemütliche WG, in der es auch viele Frauen gab. In einer weiteren war ausgelassene Party-Stimmung (Es waren die letzten Wochen der Semesterferien). Jede Verbindung war anders und hatte andere Leute. Ich ließ es mir auch nicht nehmen, jede Verbindung über die anderen auszufragen. Wer etwas Menschenkenntnis hat, weiß, dass es geübten Personen nicht schwer fällt, sich zu verstellen. Verblüffenderweise sagten aber alle, dass die anderen Verbindungen, niemanden ausgeschlossen, sehr umgänglich seien. Auf die Frage welche Verbindungen “rechts” seien, und somit gemieden werden müssten, sagten alle, dass es solche nicht gäbe. Selbst von den Freien, die hier in Darmstadt mit einigen Burschenschaften einen leichten… Zwist haben.

Stattdessen berichtete man mir aber, im Besonderen in den besuchten Burschenschaften, dass diese oft als Rechte angefeindet würden. Dabei ist es auch irrelevant, wer sich als Bursche outet. Eine der prägnantesten Erzählungen eines Burschen war darüber, wie er in Frankfurt in Vollcoleur (Mütze, Band, meist Anzug) mit zwei Bundesbrüdern unterwegs war und sie dabei auf dem Weg zum Bahnhof lauthals als Nazis beschimpft wurden. Das interessante Detail dabei ist, dass einer der drei ein Asiate war. Ein Asiate mit rechtsextremistischer Einstellung? Ich muss wohl nicht erwähnen, wie haltlos das ist. Im Übrigen war er nicht der einzige Asiate auf deren Haus. Auch erzählte er mir, dass sie einmal auf einer Demonstration gegen Rechtsextremismus waren, um zu zeigen, was sie von solchen Tendenzen halten. Statt dass man sich mit ihnen unterhielt oder sich ihrer Anwesenheit erfreute, dachte man, dass sie die anwesenden Demonstranten nur „verarschen“ wollen. Aber auch von einer Burschenschaft, die Frauen aufnimmt, habe ich ähnliche Geschichten vernommen. Ja, richtig gehört… Es gibt Burschenschaften, die Frauen aufnehmen, aber sie sind selten. So veranstaltet der ASTA hier regelmäßig Vorträge, die gegen Verbindungen im Allgemeinen hetzen. Die Damen erzählten mir, dass, als es zum Thema “Frauenfeindlichkeit in Verbindungen” kam, sie kollektiv aufgestanden seien und sich mit Band und Mütze gezeigt hätten. Man hatte sie nicht einmal zu Wort kommen lassen und sie vollständig ignoriert.

Dem entnehme ich, dass Verbindungen nicht nur in der Regel negativ aufgenommen werden, sondern ihnen nicht einmal die Chance gegeben wird, sich anders zu präsentieren. Aber gut, kommen wir wieder auf die DB Burschenschaften zurück, bzw. allgemein auf die Burschenschaften und den Vorwurf, sie seien rechts und konservativ. Wie bereits erwähnt, es gibt viele Verbindungen und auch viele verschiedene Burschenschaften. Somit sind schon einmal nicht alle konservativ, meine aber zum Beispiel schon. Warum hab ich diese gewählt? Weil gerade in den älteren Burschenschaften noch viele alte Werte erhalten geblieben sind und auch gelebt werden. So vor Allem die gelebte Gemeinschaft, in der man sich unterstützt, sich mit politischen Fragen auseinandersetzt, ein gewisses Ehrgefühl vermittelt und ein Streben nach Freiheit. Das Grundgesetz ist für uns sehr wichtig. Es wird darauf achtgegeben, dass man ehrlich ist, und regelmäßig findet ein Convent statt, auf dem basisdemokratisch diverse Themen entschieden werden, die das Haus oder das Zusammenleben betreffen. Ja richtig, basisdemokratisch, jeder hat die gleichen Rechte und das gleiche Mitbestimmungsrecht. Der Preis dafür? Man muss sich in die Gemeinschaft einbringen wollen. Wie auch in jeder Firma, in jeder Beziehung… eigentlich bei jedem zwischenmenschlichen Kontakt, der längerfristig sein soll/sein muss. Wer dies nicht mag, muss erstens nicht beitreten und zweitens, wenn er gerne trotzdem in eine Verbindung möchte, hat er ein weites Spektrum zur Auswahl, wo die Schwerpunkte anders liegen.

Ebenso wird oft das studentische Fechten angefeindet (Das Studentische Fechten unterscheidet sich gravierend vom Olympischen Fechten!). Eins sei gesagt, ja ich fechte. Wir sind eine schlagende Verbindung. Aber auch das ist in vielen anderen Verbindungen kein Muss. Sängerschaften etwa machen regelmäßige musikalische Abende. Die christlichen Verbindungen lehnen das Fechten aus religiösen Gründen strikt ab und fahren häufig gemeinsam auf Freizeiten. Wieder andere machen so etwas wie Pflicht-(Also ein Muss)Segelfliegen und wieder andere überlassen es einem selbst, ob man Fechten lernen möchte oder nicht. Also auch da gibt es ein sehr breites Spektrum. Der Sinn hinter diesen “Veranstaltungen” ist dabei, das Gemeinschaftsgefühl zu erhöhen.  In einer Gesellschaft, in der die Ellenbogenmentalität immer mehr zunimmt, ist das nichts Falsches, wenn nicht sogar etwas Wünschenswertes.

Kommen wir auf die DB (Ein Dachverband in dem 120 Burschenschaften aus Deutschland und Österreich organisiert sind. Andere Verbindungsformen haben andere Dachverbände oder auch gar keine) zurück. Diese wird oft mit dem Vorwurf konfrontiert, dass sie nur Menschen aufnimmt, die sich zum „Deutschtum“ bekennen. Vor etwa einem Jahr war dieser Fall in der Presse, als auf dem Burschentag der Antrag gestellt wurde, einen Mannheimer Burschenschafter auszuschließen, da dieser eindeutig chinesischer Abstammung war. Warum steht dieser Paragraph überhaupt bei der DB? Dies kann man auf die Geschichte von Burschenschaften zurückführen. Als sich im 19 Jahrhundert die ersten Burschenschaften bildeten, bestand Deutschland aus vielen kleinen Staaten. Der Traum der damaligen Studenten war es, ein großes geeintes Deutschland zu haben. Mit nur einer Grenze, einer parlamentarischen Monarchie (die Vorstellung der Demokratie war damals selbst für die Burschen noch zu krass), Pressefreiheit und gleichem Gesetz für alle. Das sind alles Andere als verwerfliche Forderungen. Es waren Rebellen, die die Vision einer Landesweiten Einheit hatten.. Zu dieser Zeit, litten die Frühen Burschen dabei unter der französischen Besatzung Napoleons. Auch muss man sagen, dass später, nach dem Krieg gegen Napoleon, auch die Polen ein großes geeintes Land anstrebten. Diese wurden dabei von den deutschen Burschenschaftern unterstützt.  Und auch die erste Feier auf der Wartburg fand gemeinsam mit den Franzosen und Polen statt. Die Polen waren jedoch zu diesem Zeitpunkt mit ihrem Vorhaben bereits gescheitert. Meine Eltern erzählten mir übrigens, dass meine Urgroßväter auch “Buxen” waren, die damaligen Verbindungen aber durch den Kommunismus zerschlagen wurden, da Ziele wie Freiheit nicht in die kommunistischen Vorstellungen passten. Die Verbindungen sind derzeit jedoch wieder langsam am Aufblühen (derzeitiger Stand dürfte bei ~24 Verbindungen liegen). Aber wieder zurück zu den alten deutschen Burschen. Auch kannten sie politische Verfolgung, siehe Karlsbader Beschlüsse, bei denen man einen Mord an einem Diplomaten zum vorwand nahm (Heutzutage würden die Medien es wohl einen “terroristischen” Akt nennen), um diverse Rechte zu beschränken und unliebsame politische Richtungen verfolgen zu können.

Später in der Geschichte, viel später, kam dann das NS-Regime an die Macht. Wie reagierten Verbindungen? Ein schönes Beispiel wie die Stimmung war, findet sich beim „Heidelberger Spargelessen“, als ein Corpsstudent sagte, Hitler besitze „ein so großes Maul, dass er den Spargel quer essen könnte“. Man hielt nicht viel davon und da viele ihre Werte nicht aufgeben wollten, lösten sich nicht wenige Verbindungen auf. Andere wiederum wurden vom NS-Regime assimiliert und für dessen Zwecke missbraucht oder Verboten, wie so Vieles zu der Zeit. Dies war dabei jetzt eine Stark gekürzte Version der Geschichte des Verbindungstums. Bedenkt man aber die Geschichte, so erkennt man, das sie das gesamte Repertoire politischer Unterdrückung kennen. Vorstellungen des NS-Regimes passen da nicht hinein. Ich persönlich finde auch, dass die Burschen, die dies wollen, die Ideen ihrer Ahnen mit Füßen treten. Burschenschaften verteidigen somit  keine anderen Werte, als es auch die Piraten tun. Der vor einigen Zeilen erwähnte Asiate ist übrigens immernoch in der Mannheimer Verbindung und dürfte zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels glücklicher Fuxmajor sein, und er steht auch zu seinem Bund. Siehe Spiegel: 18.06.11, “Ich war fassungslos”.
Wie schaffte es aber der Antrag, diesen Burschen auszuschließen, überhaupt besprochen zu werden? Nunja, gerade die Piraten sollten das eigentlich kennen. Man kann einen korrekt formulierten Antrag für einen Parteitag nicht verhindern. Das heißt jedoch bei Weitem nicht, dass die Parteibasis hinter jedem gestellten Antrag steht. Aber dadurch, dass die Antragstellende Burschenschaft im Vorfeld auf großen Wiederstand stieß (Anscheinend Bereiten sich Burschenschafter auf Ihre Anträge vor Versammlungen vor… Sollten einige Piraten auch machen), wurde der Antrag in der DB letztendlich zurückgezogen. Man kann an dieser Stelle sogar von einem Leider sprechen, da durch das Fehlen einer Abstimmung, man nicht anhand der Stimmen die Ablehnung zeigen kann.

Wie kommt dann das stark negative Bild von Burschenschaften? Ich denke es ist zum Einen die Unwissenheit. Es gibt viele Vorurteile die sich halten, die aber keine Lobby haben, welche versucht, diese zu entkräften. Stattdessen fallen schwarze Schafe auf, auf die dann der Fokus gesetzt wird. Auch hierbei sollten Piraten wissen wovon ich spreche. Wie gerne versuchen uns die Medien als reine Nerdfraktion darzustellen, die anscheinend auch frauenfeindlich sein soll. Die möglichen Konsequenzen einer solchen Einschätzung sind nicht zu missachten. Durch den negativen Eindruck innerhalb der Gesellschaft schreckt es die richtigen Leute vermehrt ab und lockt tatsächliche Rechte an. Auch dabei dürften einige Piraten mich verstehen, die befürchten, die Piraten würden ihre liberale Position verlieren und eine starken Linksruck erfahren, der weitere stark links orientierte neue Mitglieder anlockt. Ob sie Fuß fassen könnten (egal wo) ist wieder eine andere Frage. Doch rechts sind Verbindungen sicherlich nicht wegen Einzelpersonen. Genausowenig ist die Piratenpartei aufgrund von Bodo rechts, oder die SPD aufgrund von Sarrazin.

Übrigens, Konrad Adenauer, unser erster Bundeskanzler, war Verbindungsstudent einer katholischen Verbindung. Otto von Bismarck, der uns die erste Sozialversicherung brachte, war Corpsstudent. Karl Marx, Verfasser des Kommunistischen Manifests, war erst in einer Landsmannschaft, später bei einem Corps. Friedrich Nietzsche, ein wichtiger Philosoph, war Burschenschafter. Ferdinant Porsche, ebenso Burschenschafter. Max Weber, wichtiger Soziologe, war auch Mitglied in einer Burschenschaft. Thomas Gottschalk ist katholischer Verbindungsstudent und zuletzt, für die Informatiker unter uns, Konrad Zuse gehörte ebenso einer freien Verbindung an. Diese paar Namen sind dabei nur Ausschnitte, es gibt noch viel mehr Personen, an denen durchaus nichts Verwerfliches ist.

Deswegen, bevor ihr gegen Verbindungen hetzt, schaut, welche es in eurer (Uni)Stadt gibt. Besucht 2-3 verschiedene und bildet euch erst dann eine Meinung, aber verlasst euch nicht auf alte Vorurteile. Vorurteile sind bei niemanden angemessen oder fair und das breite Spektrum an verschiedenen Verbindungstypen macht ein Gleichsetzen noch ungerechter. Ich gehe jetzt schon davon aus, dass es nicht lange dauern wird, bis ich von beiden extremen Seiten starken Gegenwind lesen werde. Demnach sowohl von links als auch von rechts, welcher vermutlich sehr plakativ sein wird. Ich hoffe aber das breite Spektrum in der Mitte mit meiner hier vermittelten Botschaft zu erreichen.


„Mehr Aktive“ Das Allheilmittel!? Teil 1

Die Piraten haben viele Baustellen. Das ist auch bei einer noch so Relativ Jungen Partei kein Wunder. Es kann nicht alles von Anfang an besetzt und ausgearbeitet sein. Aber das Klagen über Langsames voranschreiten einzelner AGs und Projekte ertönt regelmäßig und jedes mal wird der ruf nach mehr Aktiven laut. Dabei meine ich nicht die Abonnenten und fleißigen Diskutanten auf der Aktiven-Mailingliste, sondern das Fleißig arbeitende Piratenvolk, in allen anderen Projekten. Nun, wie kommt es aber zu diesem Mangel, bei 12000 Registrierten Mitgliedern?

 

Man könnte anfangen damit zu Argumentieren, das nicht alle der 12000 wirklich das Interesse haben tatsächliche Partei-Arbeit zu leisten. Viele haben von uns aus den Medien gehört, dann vielleicht unsere Seiten besucht und fanden den Gedanken Sympathisch sich uns Anzuschließen. Einen wirklichen Schritt, weiter als bis zur Zahlung des ersten Mitgliedsbeitrags oder sogar allgemein der Ersten, kommen diese nicht. Gerade dort fallen viele Weg.

 

Das ist allerdings nicht der Weg den alle von uns beschreiten. Sonst gäbe es ja die Piraten nicht. Einige sind doch Motiviert irgendwie mitzumachen. Dabei führt der erste Weg zu uns über das Internet und damit fangen die Probleme auch gleich an. Nehmen wir mal die unzähligen Mailinglisten. Auch wenn die meisten Piraten sehr Internetaffine Menschen sind, ist das nicht die Regel. Wenn nun ein Nicht-Internetaffiner Mensch sich an einer der Mailinglisten versucht, wird seine erste Reaktion aus Schock, Verwirrung oder beidem bestehen. Denn nicht jeder kommt damit klar, das sein Posteingang auf einmal regelmäßig mit Massen an neuen Mails Geflutet wird. Natürlich kann man einfach Ordner anlegen und Filter einstellen. Aber dies kann nicht jeder und will irgendwie auch nicht jeder machen. Des Weiteren gibt es eine gewisse Hemmschwelle an einer Mailingliste Teilzunehmen. „Soll ich eine Mail schreiben oder doch eher nicht? Wie wird man auf mich reagieren? Ist es wirklich nötig? Habe ich das recht mich dort einzumischen? Möchte ich überhaupt so viel Aufmerksamkeit auf mich ziehen?“ Nicht jeder wird diese Gedanken kennen, aber einige werden sich sicherlich wiederfinden. Diese Schwelle muss überwunden werden, ansonsten wird man nur Passiver Mitleser und fällt wieder, als Aktiver Kandidat raus.

 

Dennoch trauen sich einige ihre Meinung in einer Mail zu verfassen. Kaum ist diese Allerdings draußen, trifft sie schon auf das nächste Problem. Nämlich uns! Denn unser Diskussionsstil ist je nach Thema alles andere als Sachlich Neutral oder Motivation-Fördernd. Wir Debattieren in einem äußerst Aggressivem und schnell Bewertendem Stil. Nicht selten Argumentieren wir unsachlich, oder fangen an über jemanden herzufallen, wenn uns seine Meinung nicht passt und werden dabei unabsichtlich Persönlich. In welchem Maße das Stattfindet, kommt immer auf die Mailingliste an. Aber in der Regel ist es so, das gerade Neulinge oft genug das Gefühl erfahren, das ihre Meinung eigentlich nicht gewünscht ist. Dass das viele von uns eigentlich gar nicht so ausdrücken wollen ist wieder eine andere Sache. Aber es ist ein Hindernis um ein Aktiver zu werden. Jedoch sind nicht mal jene sicher, die Gelernt haben mit diesen Widerständen umzugehen. Denn regelmäßiges Abwerten der eigenen Meinung führt zu einer Stetigen Demotivation. Wenn dann dem nichts motivierend entgegenarbeitet, hält das Leben eines Aktiven nicht lang.

 

Eine andere Art uns näher Kennenzulernen oder Regelmäßige Motivation zu finden, ist einen unserer Zahlreichen Stammtische zu Besuchen. Gerade für die nicht Internetaffinen Menschen eine wundervolle Alternative. Denn was gibt es schöneres als Piraten Live kennenzulernen. Man Diskutiert, man Plaudert, man Erfährt wer sich hinter dem Pseudonym XYZ verbirgt. Es darf aber nicht vernachlässigt werden das eine gute Einbindung Stattfindet. Die Regeln sind dabei relativ ähnlich wie die, die auf Mailinglisten herrschen sollte. Niemand möchte das man über ihn her-fällt, was bei Stammtischen glücklicherweise seltener der Fall ist. Umso mehr ist es jedoch, ob bewusst oder unbewusst, gewünscht das man für seine Meinung und sein Interesse gelobt wird. Wer dann noch Aufgefordert wird mitzumachen und sich an der Arbeit von anderen Piraten zu Beteiligen, wird schnell ins Sozialgefüge eingebunden. Dies muss allerdings Offensiv geschehen. Soziale Bindungen sind, wenn man paar Grundregeln beachtet recht einfach aufzubauen und sehr Stabil, wenn sie denn Gepflegt werden. Wer das Gefühl bekommt wichtig zu sein, ist nicht nur Motivierter mitzuarbeiten, sondern Wertschätzt auch die Meinung anderer Piraten mehr, ist eher zu Kompromissen bereit und läuft weniger Gefahr unterzutauchen. Auch die Wortwahl wird automatisch vorsichtiger und Fehlgriffe anderer werden anders akzeptiert. Denn niemand möchte einer Gruppe, in die er erfolgreich Integriert wurde, schaden.

 

Nichts desto Trotz, überall werden wir früher oder später auf Konflikte treffen. Egal wie sehr wir uns bemühen, sie werden vorhanden bleiben. Denn um das gänzlich zu vermeiden bräuchten wir schon ein Kollektivbewusstsein. Wie geht man aber damit um? Seinen Frust an einem anderen auszulassen ist allgemein Kontraproduktiv. Denn diese Energie werden wie in der Physik nicht einfach verschwinden, sondern nur an den nächsten weitergegeben, der wiederum sich auch irgendwann Entladen muss. Was aber dann tun? Dem ein oder anderen wird „Supervisionen“ ein Begriff sein. Das sind Treffen in kleinen Gruppen die von einer Neutralen, Erfahrenen Person geführt wird, die Idealerweise aus dem selben Gebiet ist, nicht aber der selben Abteilung. Somit kann dieser Mensch die Probleme und den Frust der anderen Teilnehmer Aufnehmen und Alternativen und Lösungen anbieten. Aber allein die Möglichkeit bei dieser Person seinen Gedanken freien lauf lassen und sich zu Entlasten, ohne das dies jeglicher Bewertung unterliegt, wirkt sehr Erleichternd. Das ist allerdings eine Struktur die es bei den Piraten so noch nicht gibt und wo zurecht gefragt werden darf ob diese wirklich nötig wäre. Wenn aber, das nächste mal sich jemand über die Arbeit anderer aufregt, sollte man wenigstens in Erwägung ziehen seinen Frust einem anderen Piraten seines Vertrauens, der nicht Involviert ist, zu schreiben. Eine Positive Erfahrung und ein Freier Kopf ist garantiert.

 

Ein anderes Problem ergibt sich aber durch tatsächliche Mitarbeit. Oft genug tendieren Piraten dazu das Gefühlte Defizit an Mitarbeit, Ausgleichen zu müssen. Dann geschieht es schnell das statt 2 Mailinglisten 10 Abonniert werden. Das man nicht in 1-2 AGs mitmacht, sondern in 10 und am besten auch noch einen Vorstandsposten innehält. Spätestens dann ist man ein Piraten-Workaholic geworden, der vielleicht an vielen Stellen auf dem laufenden ist, aber sicherlich eines nicht macht. Effektiv Arbeiten. Es haben schon mehr als genug Studien bewiesen das Multitasking das Arbeiten eher verlangsamt, als wirklich voran Treibt. Dabei ist es im Übrigens Belanglos ob es Frauen oder Männer sind. Dadurch das wir unsere Aufmerksamkeit Teilen, erledigen wir viele Teilaufgaben, aber schaffen keine Konzentriert aufwendigen Arbeiten, mit dementsprechenden Ergebnissen. Das spiegelt sich dann auch in der AG Arbeit wieder. Ein paar wenige denen die AG sehr wichtig ist, versuchen jene voran zu treiben. Aber ein Dutzend schaut nur zu und kann aufgrund des Zeitmangels, oder in einigen Fällen sicherlich aufgrund einer Arbeitsscheu, nur diese Arbeit Kommentieren und sich Beschweren, selber wird aber kein Finger gerührt. Missstimmung und Frustration ist dann das Ergebnis. Einzigster Ausweg dabei, ist sich wirklich zu Überlegen ob es nötig ist in so vielen Piraten-Projekten anwesend zu sein und nicht einfach die anderen machen zu lassen. Der ein oder andere mag nun schreien dass somit die AGs ja noch mehr aussterben. Aber das tun sie ja nicht wirklich. Denn wenn 5 Halbaktive Mitglieder gehen und dafür 1 Aktiver dazukommt, gewinnt eine AG nur an Arbeitseffektivität.

 

Man könnte nun noch viele weitere Punkte aufführen, die dazu führen das Piraten nie Aktiv werden, oder gar nach erfolgreicher Aktivierung, Inaktiv werden. Dies würde jedoch den Rahmen dieses Textes Sprengen, der eh länger geworden ist als anfangs gewollt. Die nächsten Tage widme ich mich dann der Frage, ob wir tatsächlich so wenig gefühlte Aktive haben und was Passieren würde, wenn wir tatsächliche 12000 Aktive hätten. Also, abwarten und diesen Blog beobachten!

 

Vondor

 


Just Another WordPress Blog…

Das Internet ist laut und voller Informationen.
An jeder Ecke wird eine andere Botschaft in die Welt geschrien, wodurch in diesem Chaos jeder zu einem anderen Propheten der Wahrheit Pilgert.

Die Botschaften sind dabei sehr Unterschiedlich, oft genug jedoch, Relativ Oberflächlich und Einseitig. Vor allem bei den Piraten sehe ich inzwischen viele Botschafter einer einzigen Wahrheit zu diversen Themen. Teilweise Decken sich diese, teilweise auch nicht. Die Zahl dieser Propheten scheint sich aber immer mehr auf ein paar Wenige zu Konzentrieren. Wie sie dies Schaffen ist dabei relativ leicht erklärt. Sie Schreien einfach am Lautesten mit klaren Forderungen und bekennen sich zu den wenigsten Fehler.

Aber immer wieder stelle ich mir dabei die Frage, ob dies der Richtige Weg ist. Natürlich und ohne Frage, ist dies der Effektivste Weg, wie man seine Meinung verbreitet. Aber durch Propagieren dieser „Technik“ Fördern wir ein System, das letztendlich einem Effizienten  Miteinander und der Zusammenarbeit schadet. Wir verlernen die Fähigkeit selber zu Unterscheiden, zu Bewerten und andere Fair und Neutral zu betrachten. Jeder hat eine Meinung die es wert ist ausgesprochen zu werden und wenn wir diese nicht verstehen muss nachgefragt werden. Extreme Denkweisen, egal in welcher Art und weise Blockieren immer nur neue Ideen.

Aus diesem Grund der in Teilweisen Frust resultierte, habe ich mich nun Entschieden diese Medium Internet mitzubenutzen, und ebenfalls Positionen zu bekennen und Situationen zu Bewerten.  Auch wenn ich dadurch wohl zu einem weiteren Internet-Propheten der einzigsten Wahrheit werde…